• Feuerkrebs guG (haftungsbeschränkt)

Die Chronologie der Leidensgeschichte eines Retters
Dichter schwarzer Qualm füllt die Lagerhalle in der Schlinckstraße mit Werbeartikeln, Kunststoffbällen und Plüschtieren, überall brennt es lichterloh und die Hamburger Feuerwehrleute versuchen den Brand unter Kontrolle zu bringen. Viele Stunden, nachdem das Feuer gelöscht wurde, sind Einsatzkräfte noch immer vor Ort, um neu aufglimmende Brandnester zu ersticken. An diesem Tag hat auch Sven Burghause Dienst. Er und seine Kollegen sind rund sechs Stunden in der abgebrannten Halle, die Anzüge und die Atemschutzmasken sind teilweise rußgeschwärzt und mit einem Staubfilm überzogen.

"Manchmal waten wir über viele Stunden in den knöcheltiefen, von Löschwasser durchtränkten schlammigen Resten und verhindern ein Wiederaufflackern der Brände. Kommen dabei mit vielen giftigen Stoffen während des Brandes und danach in Kontakt", beschreibt er die Situation am Einsatzort.


Feuerwehrmann eine Berufung
Dennoch liebt Sven Burghause seinen Beruf, freut sich helfen zu können.
"Es macht mich stolz, zusammen im Team, anderen Menschen in der Not beistehen zu können, sie zu retten oder es auch manchmal zu schaffen, ihr Heim vor der Zerstörung zu bewahren", erklärt er lächelnd.
Angefangen hat es 1998, da ist der damals 17-jährige Jugendliche in die Freiwillige Feuerwehr in Rönneburg eingetreten.
"Der Zusammenhalt und die Kameradschaft gaben mir damals Halt und Sicherheit, den ich brauchte und haben mich für das Leben geprägt", stellt Sven Burghause fest.
Nach seiner Ausbildung zum Energieelektroniker bei der Hamburgischen Elektrizitäts-Werke AG und einer kurzen "Orientierungsfindung", wie er es nennt, fing er dann im Oktober 2004 bei der Hamburger Berufsfeuerwehr an.
Nach seiner Grundausbildung absolvierte er die Fahrzeugführer- und die Rettungssanitäterausbildung und kam 2006 an die Feuerwache Harburg.


Erste Krebserkrankung
Zwei Jahren später, im November 2006, begann dann die lange Krankheitsgeschichte und Leidenszeit. Bei einer Routineuntersuchung bekam er die furchtbare Diagnose, Krebs im linken Hoden. Es folgten eine Operation, eine Chemotherapie und eine entsprechende Reha-Maßnahme. Im Mai des folgenden Jahres trat Sven Burghause dann wieder zum Dienst an.
"Ich wollte schnell zurück, denn ich hatte auch Angst davor nicht verbeamtet zu werden, wenn ich zu lange fehle. Dazu kam noch der Druck, dass ich unbedingt schnell den Rettungsassistentenlehrgang bestehen wollte. Es war einfach zu viel und ich fiel zweimal durch die Prüfung", erläutert der Brandmeister resigniert.
Dann auch die Angst wieder zu erkranken, denn bei einer Kontroll- Computertomographie der Lunge entdeckten die Radiologen einen Schatten. Glücklicherweise bestätigte sich der Verdacht nicht.
"Aber die endlos scheinende zermürbende Wartezeit bis zum endgültigen Ergebnis setzte mir damals wieder zu", analysiert er rückblickend.


Kurzer beruflicher und privater Erfolg
Es folgten zwei Jahre Dienst und der Wechsel an die Wache nach Altona. Der Wunsch die Zusatzausbildung zum Rettungsassistenten abschließen zu dürfen, ließ ihn einen Brief an Oberbranddirektor Klaus Maurer schreiben. Darin schilderte er seine Krankengeschichte und bat um die Sondergenehmigung zur erneuten Teilnahme. Hamburgs Feuerwehrchef genehmigte dies und 2011 bestand Sven Burghause die Prüfung. Eine kurze glückliche und erfolgreiche Zeit folgte. Er wechselte 2013 nach Wilhelmsburg heiratete seine große Liebe Janina und seine Frau wurde schwanger. Er wurde Vater von Zwillingen, Amelie und Jonas.


Erneute Leidenszeit
Dann gab es wieder einen Rückschlag. Bei einer Routineuntersuchung ertastete sein Arzt erneut Krebsgeschwulste im verbliebenen rechten Hoden. Im Juli 2014 wurde er im Krankenhaus Salzhausen operiert und bei den intensiven Untersuchungen entdeckten die Ärzte Metastasen am Zwölffingerdarm und an der unteren Hohlvene.
"Ich bin kein Raucher und auch in meiner Familie gab es keine Krebserkrankungen und dennoch traf es mich. Daraufhin wurde mir ein Port, eine Art Eingang, für die Chemotherapie implantiert. Drei Blöcke Chemo bekam ich. Nach einer Weile wurden die Blutwerte besser und die Metastasen verkapselten sich. Allerdings brauchte ich Blutkonserven, denn ich hatte plötzlich zu wenig rote Blutkörperchen. Das war eine schwere Zeit. Ich musste mich ständig erbrechen und mir war elend zumute", erläutert Sven Burghause.


Weitere schwere Erkrankungen
Nach der Hoffnung die Krankheit besiegt zu haben, folgte die nächste Hiobsbotschaft.
Bei einer Kontroll-CT-Untersuchung stellten die Mediziner fest, dass die Krebszellen wieder gewachsen waren. Abermals folgte im März 2015 im Universitätskrankenhaus Eppendorf (UKE) eine Bauch-OP und die - wie sich danach herausstellte - gutartigen Wucherzellen wurden erfolgreich entfernt.
Wieder kämpft sich der Feuerwehrmann zurück. Er überwindet die Erkrankung und beginnt im Juni 2015 seine Wiedereingliederung in den Feuerwehrdienst. Nach drei Monaten dann der nächste Rückfall. Die Radiologen entdecken Metastasen im Brustkorb. Im AK Harburg führen Experten der Klinik eine Thorakoskopie durch.
Dabei wird ein Zugang in die Brusthöhle gelegt, um Wucherungen mittels einer Kamera zu erkennen. In einem Tubus werden dann zum Beispiel Instrumente zum Entfernen von Krebszellen eingeführt oder lokal Medikamente in dem betroffenen Bereich verabreicht.
Bei Sven Burghause entnahmen die Ärzte Proben des gewucherten Gewebes aus der Aorta zur genaueren Bestimmung.
Die analysierten Zellen stellten sich als gutartig heraus. Dennoch mussten die Tumorzellen in einer weiteren Brust-Operation entfernt werden.
"Ich hatte nach der Operation ganz furchtbare unbeschreibliche Schmerzen und bekam ein schweres schmerzstillendes Mittel, Oxycodon. Ein Medikament mit vielen Nebenwirkungen, das leider nicht einfach abgesetzt werden kann, da es schwere Entzugserscheinungen zur Folge hat. So musste die Dosis langsam reduziert werden. Das war eine weitere harte Leidenszeit, die viel Geduld und Kraft erforderte", erklärt Sven Burghause.


Rückkehr in den Dienst
Anfang 2016 konnte der Feuerwehrmann erst einmal wieder mit einigen Stunden Büroarbeit an der Wache Wilhelmsburg beginnen. Dieses Mal nahm er sich Zeit und steigerte langsam seine Arbeitszeit, bevor er wieder im Löschzug mitfuhr und den normalen Dienstplan absolvieren konnte.
"Es dauert bis die körperliche Fitness und Ausdauer wieder hergestellt ist und natürlich muss ich mit der Angst leben, dass in den regelmäßigen Kontrolluntersuchungen wieder etwas gefunden wird", spricht Sven Burghause offen seine Gedanken aus.
Ohne seine Familie und seine Kollegen, da ist er sich sicher, hätte er den Kampf gegen den Krebs nicht so führen können. "Meine Frau Janina hat sich um unsere Kinder gekümmert und mich ständig im Krankenhaus besucht. Sie und der Gedanke an unsere Kinder gaben mir besonders viel Kraft durchzuhalten", stellt der stolze Familienvater fest.


FeuerKrebs gUG an seiner Seite
Sven Burghause musste während seiner Krankenzeit nicht nur um sein Leben kämpfen, sondern sich jeden Tag fragen:"Was passiert eigentlich mit meiner Familie, wenn ich sterbe?" Diese Unsicherheit bleibt bestehen. Der tapfere Hamburger Feuerwehrmann steht exemplarisch für die vielen Leidensgenossen seiner Zunft. In Kanada, Australien und den meisten Bundestaaten der USA gilt deshalb heute schon der Grundsatz, dass Feuerwehrleute in dem Fall, dass sie an Krebs erkranken von ihrem Arbeitgeber finanziell unterstützt werden.
Deutschen Angehörigen der Feuerwehr wird diese Art der Absicherung bislang vorenthalten, obwohl internationale Studien belegen, wie karzinogen der Rauch und die Partikel am Brandort sind. Sven Burghause vertraute sich in der Folge mit seinen Sorgen Kollegen vom Berufsverband Feuerwehr an, die ihm dann von der geplanten Gesellschaftsgründung, von FeuerKrebs gUG, berichteten.
Ureigenste Aufgabe dieser Initiative ist es, betroffene Feuerwehrleute zu unterstützen, sowohl finanziell als auch mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, so zum Beispiel beim Ausfüllen von Anträgen und Verfassen von juristischen Schreiben zu helfen oder auch erkrankte Einsatzkräfte miteinander in Kontakt zu bringen und zu vernetzen.


Persönlicher Einsatz für Schicksalsgenossen
"Ich bin verbeamtet, mir geht es noch nicht so schlecht, wie anderen angestellten erkrankten Kameraden. Ich habe mein Grundgehalt weiter bekommen und die Heilfürsorge hat die medizinischen Kosten übernommen. Jedoch konnte meine Frau in der Zeit nicht arbeiten, musste und wollte sich dann in der Situation um unsere kleinen Kinder kümmern. Bei den heutigen Kosten ist es da schwer, den gewohnten Lebensstandard aufrecht zu erhalten. Darüber hinaus bin ich durch meine Erkrankung, da ich in der Zeit der Operationen meinen Ausdauerleistungsnachweis und die sogenannte Atemschutzstrecke nicht erfüllen konnte, auch nicht zum Oberbrandmeister befördert worden", erläutert er bekümmert.
Sven Burghause war bei der Gründungspressekonferenz der FeuerKrebs gUG in Hamburg mit dabei, stand auf und sprach mit den Medienvertretern offen über sein Schicksal, um ein Zeichen zu setzen und den vielen Zahlen und Fakten auch ein Gesicht zu geben.
"Es darf nicht sein, dass Feuerwehrleute ihr Leben zur Rettung anderer Menschen riskieren und dann im Stich gelassen werden. In der Zukunft muss genügend Geld für sichere neue Ausrüstungen der Einsatzkräfte zur Verfügung stehen und der Staat darf sich nicht in der Fürsorge für seine Mitarbeiter aus seiner Verantwortung stehlen. Krebs muss als eine Berufskrankheit bei Feuerwehrleuten anerkannt werden", erklärt Sven Burghause leidenschaftlich.

(Wolf-Robert Danehl für FeuerKrebs gUG, Juni 2017)

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