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Marcus Bätge ist von Beruf Feuerwehrmann, 47 Jahre alt, verheiratet mit der Grafikerin Petra. Er hat zwei Kinder, einen 23 Jahre alten Sohn namens Yannick und eine 14 Jahre alte Tochter, die Maya Pauline heißt. In Hamburg geboren, wuchs der Hauptbrandmeister aber in Kiel auf, da sein Vater, in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt eine Stelle als Diakon bekam. Schon in jungen Jahren erfuhr Marcus Bätge, was es bedeutet sich sozial zu engagieren.
„Mein Vater hat die Jugendarbeit in der Gemeinde geleitet, in einem Arbeitslosenbüro und der Seemannsmission gearbeitet. Die ganze Familie hat meinen Vater dabei unterstützt, es mit getragen. Denn auch in diesem Beruf gibt es keinen normalen Feierabend. Glücklicherweise helfen mir auch heute meine Lieben bei meinem sozialen Einsatz für die Feuerwehrleute, ohne sie würde das nicht gehen“, stellt der Mitgründer von Feuerkrebs fest.
Bewusst kam Marcus Bätge das erste Mal mit der Feuerwehr, während eines Rettungseinsatzes bei einem Verkehrsunfall auf einer Straßenkreuzung in Kontakt. Er war dabei wie sein Vater, mit ihm auf dem Arm, einer jungen Frau, nach einem schweren Verkehrsunfall erste Hilfe leistete und sie persönlich betreute bis der Rettungsdienst vor Ort war. Das war ein beeindruckendes Erlebnis und hat den jungen Marcus nicht mehr losgelassen. Er fing an Feuerwehrautos zu sammeln und besuchte bei jeder Gelegenheit eine Feuerwache.
Mit 10 Jahren folgte dann der Eintritt in die Jugendfeuerwehr und die Leidenschaft für den Beruf wuchs. Ihm gefiel die Kameradschaft, der sportliche Wettkampf und die große Disziplin.
„Jeder weiß, wo er seine Aufgaben hat und alle halten zusammen, um Menschen zu retten. Der Wunsch diesen Beruf auszuüben, war so groß, dass ich dieses Ziel auch gegen den anfänglichen Widerstand meines Vaters, der schon immer etwas gegen das Tragen von Uniformen hatte, verfolgte“, erklärt Marcus Bätge rückblickend.
Mit 18 trat er zu den Aktiven über. Parallel absolvierte Marcus Bätge nach der mittleren Reife eine Lehre als Elektroinstallateur, da eine handwerkliche Lehre die Voraussetzung für die Einstellung bei der Berufsfeuerwehr ist.
Nach dem Abschluss seiner Lehre begann er mit der Laufbahnausbildung im mittleren feuerwehrtechnischen Dienst in Hamburg an der Feuerwache Rotherbaum. Leistete zwischendurch noch seinen Zivildienst beim Rettungsdienst des Arbeiter Samariterbundes, um dann anschließend seinen Berufstraum zu realisieren und Feuerwehrmann in der Hansestadt zu werden. Marcus Bätge kann mittlerweile auf 25 Dienstjahre bei der Berufsfeuerwehr zurückblicken. Er hat dabei viel erlebt und festgestellt, dass der Berufsalltag eben nichts für Zartbesaitete ist.
„Es gibt dann Momente, wo wir nicht mehr helfen konnten. Ausnahmesituationen erleben, wo zum Beispiel ein Säugling im Kinderbett starb. Wir anschließend vor Ort den Eltern oder den Angehörigen beibringen müssen, dass der geliebte Menschen nicht mehr da ist. Diese Aufgabe, das hat sich über Jahre so ergeben, überlassen mir dann gerne die Kollegen. Sind überzeugt davon, dass ich die richtigen Worte finde und im ersten Moment den Menschen beistehen kann bis jemand zum Beispiel vom Kriseninterventionsteam da ist und Beistand leisten kann“, erläutert der Hauptbrandmeister.
„Empathie ist eine seiner großen Eigenschaften“, so charakterisieren seine Feuerkrebsmitgründer
Dr. Nicola Byok und Olaf Reichelt ihn.
Passend dazu erweiterte sich im Laufe der Zeit sein Arbeitsfeld. Er fährt in Schulen und Kindergärten, um bei der Brandschutzausbildung zu helfen.
Seit 2008 setzt sich Marcus Bätge auch für die Belange der Feuerwehrleute im Berufsverband Feuerwehr e.V. ein und wurde 2012 in den Bundesvorstand gewählt. Vier Jahre später kam dann ein wichtiger Moment für den Feuerwehrmann. Ende August 2014 fand in Bergen, Norwegen, der dritte Kongress mit dem Titel „Seminar on occupational cancer among firefighters“ statt. 130 Feuerwehrleute aus aller Welt tauschten ihre Erfahrungen zum erhöhten Krebsrisiko von Feuerwehreinsatzkräften aus. Marcus Bätge nahm für Deutschland daran teil. Die anschaulichen Referate, untermauert durch wissenschaftliche Studien, überzeugten Marcus Bätge sich intensiver mit dem Thema auseinander zu setzen.
„ Wir alle lernen schon in der Ausbildung zu Chemieeinsätzen, dass Brandgase gefährlich sind und zum Beispiel viele Menschen durch Kohlenmonoxidvergiftungen sterben. Aber wie karzinogen Rauchgase sind, wurde mir dann erst richtig bewusst“, erklärt der Experte.
Durch den regelmäßigen Austausch mit skandinavischen, kanadischen und australischen Feuerwehrleuten konnte Marcus Bätge weitere Informationen zu dem Thema bekommen. In Vorträgen versucht er seitdem Kolleginnen und Kollegen für das Thema zu sensibilisieren, zu verdeutlichen, wie wichtig unter anderem Schutzkleidung und die regelmäßige Säuberung derselben ist.
„In der Vergangenheit war ein dreckiger, rußgeschwärzter Helm ein Statussymbol, ein äußeres Merkmal eines Feuerhelden. Ich versuche dieses Bild als falsch zu entlarven und klar zu stellen, wie wichtig der Eigenschutz ist“, konstatiert Marcus Bätge.
Die Folgen einer Krebserkrankung durch eine Kontamination im Dienst sind in Deutschland verheerend. Er lernte Kollegen kennen, die berufsunfähig nur ungefähr die Hälfte ihrer vorherigen Einkünfte bekommen, da in Deutschland, anders als zum Beispiel in Kanada, Krebs grundsätzlich nicht als Berufskrankheit anerkannt wird. Die Familien der Betroffenen wissen nicht, wie es weitergehen soll. Dies veranlasste den Feuerwehrmann im Dezember 2016 mit seinen engagierten Mitstreitern eine Gesellschaft zu gründen, die versucht unter anderem unbürokratisch finanzielle erste Hilfe zu leisten und darum kämpft, dass es neue gesetzliche Grundlagen für eine Entschädigung gibt.
„Diese Retter haben ihre Gesundheit für die Gesellschaft geopfert und sollten nicht nur den moralischen Anspruch, sondern auch den rechtlichen Anspruch haben, dass für sie und ihre Familien gesorgt wird“, erklärt Marcus Bätge empathisch.

(Wolf-Robert Danehl)

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